Chinesische Küche
Die Chinesische Küche als einheitliche Kochtradition gibt
es eigentlich nicht. "Chinesische Küche" ist ein
Begriff, der aus der Außensicht entstand, wie etwa ein Asiate
von der europäischen Küche sprechen würde.
Unterteilung
Chinas Küchen werden in 5 bis 8 große Regionalküchen
unterteilt:
* Beijing
* Sichuan
* Hunan
* Kanton
* Shandong
* Jiangsu
* Anhui
* Fujian
Eine weitere Möglichkeit ist die Einteilung in spezielle Küchen:
* Fangshan Palast Küche (Küche des ehemaligen Kaiserhauses
der Qing-Dynastie)
* Konfuzianische Gerichte (Kong-Familie)
* Tan-Gerichte (Tan-Familie, süß-salzig mit vielen Meeresfrüchten)
* Formelle Bankett-Küche (Delikatessen der mandschurischen
und chinesischen Küche)
* Vegetarische Gerichte (aus religiösen Gründen)
* Medizinale Gerichte (Gesundheitsküche)
Unterschieden wird auch noch nach den Bestandteilen und damit der
Farbe in rotes Kochen (mit Sojasauce) und weißes Kochen. Großer
Beliebtheit erfreut sich heute die so genannte Nyonya-Küche,
eine Fusion-Küche, die chinesische vor allem mit malaiischen
Traditionen verbindet. Beheimatet ist sie in Malaysia, Singapur
und Hong Kong.
Zutaten
Viele Zutaten und Zubereitungsmethoden wurden von anderen asiatischen
Kulturen übernommen, einige sind mittlerweile auch im Westen
heimisch geworden. So kommen etwa Tofu, Sojasauce, Reiswein, grüner
Tee und die Teezeremonie nicht aus Japan, sondern wurden aus China
nach Japan gebracht. Ins Reich der Legenden gehört jedoch,
dass Nudeln aus China nach Europa kamen: Nudelgerichte waren schon
den Griechen und Etruskern bekannt.
Bis auf wenige Ausnahmen bei ethnischen Minderheiten Chinas ist
allen chinesischen Küchen eines gemeinsam: die Abwesenheit
von Milchprodukten. Grund dafür ist, dass in China, wie in
den meisten asiatischen Ländern, die Lactoseintoleranz weit
verbreitet ist.
Wichtige Nahrungsmittel sind natürlich Reis und bei den Nutztieren
Schweine, Hühner, Gänse und Enten. Lamm- oder Schaffleisch
wurde erst unter dem Einfluss der islamischen Minderheit populär.
Während im Norden traditionell eher Getreidegerichte dominieren,
werden im Süden vorwiegend Reisgerichte gegessen. Auch wird
weiter südlich schärfer gewürzt. Bekannt ist auch
die Vorliebe der kantonesischen Küche für eher ausgefallene
Zutaten (jedenfalls nach unseren Begriffen). Diverse Insekten, Schlangen,
viele Wildtiere und auch so manche Haustiere (z.B. Hunde) wandern
in den Kochtopf. Vieles davon ist allerdings auch für Chinesen
aus anderen Regionen nicht weniger exotisch als für uns.
Gesamteindruck
Wichtig ist generell neben Farbe, Aroma und Würze die Konsistenz
( Schwalbennester- und Haifischflossensuppe werden fast nur wegen
ihrer Konsistenz gegessen und weil sie den Organismus kräftigen
sollen) sowie der harmonische Gesamteindruck eines Gerichtes. Eine
bedeutende, aber auch nicht zu überschätzende, Rolle spielen
hierbei die Fünf Elemente:
* Holz -- sauer
* Feuer -- bitter
* Erde -- süß
* Metall -- scharf
* Wasser -- salzig
Das ist nur ein einfacher Einblick in dieses Konzept, welches auch
andere Lebensbereiche durchdringt, und neben der Einteilung in Yin-
und Yang-Zubereitungen sowie Nahrungsmittel, die Grundlage für
diverse Gesundheitsaspekte der Speisen darstellt. Auch sehr kalte
Speisen sollten nach dieser Vorstellung eher gemieden werden, da
sie dem Körper Energie rauben.
Yuan Mei, berühmter Poet während der Qing-Dynastie des
18. Jh. schreibt dazu: Beim Auftragen der Speisen serviert man zu
allererst die salzigen, danach die süßen Gerichte. Schwere
Speisen vor leichten, trockene vor jenen in Brühe. Es gibt
5 Geschmäcke: salzig, sauer, scharf, bitter und süß,
sie dürfen nicht alle mit salzigem Geschmack überdeckt
werden. Man muss vorher wissen und verstehen, wann der Magen der
Gäste ausreichend gefüllt ist und sich Müdigkeit
einstellt. Dann müssen zur Anregung scharfe Speisen aufgetragen
werden. Fürchtet man, die Gäste könnten zuviel Wein
trinken, so sollten sie durch saure oder süße Saucen
angeregt werden, um ebenfalls Müdigkeit zu lindern.
Küchenausstattung
Die traditionelle Küchenausstattung im Privathaushalt ist
ein kleiner tonnenförmiger Tonherd, der Wok mit Messingseiher
für Frittiertes (soll deshalb nicht so heiß werden),
ein abgerundeter Pfannenwender (Chan) aus Metall, Bambuskörbchen
als Dämpfeinsatz, ein großer Topf für den Reis (heute
meist ein elektrischer Reiskocher), ein Tontopf (Shaguo) - billiger
als Metall, um die Speisen warmzuhalten und nicht durch Metallgeschmack
zu beeinflussen (Vgl. Caquelon beim Schweizer Fondue) - und ein
großes Küchenbeil. Wie auch in der europäischen
Küche gibt es eine Vielzahl von Schneidetechniken, die mit
diesem einen Küchenbeil möglich sind.
Alles an der chinesischen Küche ist auf Ökonomie ausgerichtet,
von der Art des Kochens und der Zubereitung bis hin zum Essen selbst.
Der Wok ist die ideale Pfanne, um schnell und sparsam auf offenem
Feuer kleingeschnittene Zutaten in ein Gericht zu verwandeln. Das
ist seine Stärke und auch seine Schwäche, denn der Wok,
wie er in Europa gebräuchlich ist, hat nur mehr wenig mit dem
asiatischen Original zu tun. Fast niemand verfügt über
eine ausreichend große und damit heiße offene Flamme,
wenn denn überhaupt zu Hause mit Gas gekocht wird. Ein ausreichender
Ersatz für den Wok ist also eine Sauteuse oder eine große
unbeschichtete Pfanne.
Gesellschaftliches
Essen in China ist eine sehr kommunikative Angelegenheit. Es wird
gelacht, laut geredet, das Tischtuch wird unbekümmert beschmutzt,
und die Gäste oder die älteren und angesehenen Personen
werden umsorgt, indem man ihnen die besten Stücke reicht, meist
mit den eigenen Ess-Stäbchen, welche sich deutlich von den
bekannten japanischen unterscheiden. Die chinesischen Stäbchen
sind etwas länger, haben ein stumpfes Ende und kein spitzes
wie die japanischen. Der Umgang mit ihnen ist vielleicht etwas schwieriger.
Neben den Stäbchen finden noch Löffel (meist aus Keramik)
und beim mongolischen Feuertopf kleine Messingkörbchen mit
langem Griff Verwendung.
Anders als bei uns hat der Koch die Arbeit beim Kleinschneiden
der Zutaten, nicht der Esser. In den Restaurants wird viel Wert
auf Optik und Aussehen der Speisen gelegt, aus Gemüse und Obst
werden oft kleine Kunstwerke geschnitzt.
Ein traditionelles Festmahl kann z.B. aus 4 Vorspeisen, 6 Hauptgängen
und einer Suppe bestehen. Als letzter Gang wird oft Suppe gereicht,
weil man die Vorstellung hat, damit die letzten Hohlräume im
Magen auszufüllen.
Eine für viele Europäer in China überraschende Variante
kann auch sein, dass die komplette Speisen-Bestellung in einem Zug
auf den Tisch gelangt. Es liegt am Gast, dosiert und nacheinander
zu bestellen; ein Mitdenken des Service oder des Kochs zur zeitlich
gestaffelten Speisen-Folge gemäß westlichen Erwartungen
ist oftmals nicht zu finden.
Regionale Unterschiede
In Südchina reicht man Reis zu allerletzt. Süße
Desserts haben in der traditionellen chinesischen Küche keinen
allzu großen Stellenwert und werden neben den anderen Speisen
im Hauptgang verzehrt. Das änderte sich allerdings langsam
in den letzten Jahrzehnten. Neben grünem Tee und Bier sind
auch starke Spirituosen sehr beliebt, ebenso wie Trinkspiele. Wein
hingegen ist weniger verbreitet, obgleich der Weinanbau regional
auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Er verträgt
sich aber geschmacklich nur schlecht mit den intensiven Gewürzen,
welche oft im Verhältnis zu Wein zu sehr dominieren.
Die traditionelle chinesische Küche zeichnet sich aufgrund
ihrer kurzen Kochzeit durch eine gesunde Zubereitung aus und beinhaltet
ein ausgewogenes Verhältnis von Fleisch, Gemüse und stärkehaltigen
Speisen (Reis, Getreide). Daneben finden sich vor allem in den Städten
Restaurants, die sich auf die Zubereitung bestimmter Zutaten und
Gerichte spezialisiert haben (siehe Kanton-Küche).
Neben einigen Zutaten (z.B. Tofu, Sojasauce) sind diverse Gerichte
der chinesischen Küche internationaler Standard geworden und
ebenso international wie die Pizza. Darunter fallen etwa die Frühlingsrolle,
Dim Sum, Pekingente und Schweinefleisch süß-sauer. Chop
Suey ist dagegen kein ursprünglich chinesisches Gericht, sondern
wurde von chinesischen Auswanderern in Kalifornien erfunden.
Als Gast
Wenn Sie eingeladen sind, nehmen Sie sich nicht selbst und schenken
Sie sich auch nicht selbst nach, das ist die Arbeit Ihres Gastgebers,
und man erwartet gegebenenfalls von Ihnen dasselbe. Stecken Sie
auch niemals Ihre Stäbchen in eine Schale mit Reis, dies ist
nur bei den Opfergaben für die Ahnen üblich. Traditionellerweise
gilt es als unhöflich auf dem Teller bzw. in der Schüsel
noch etwas übrig zu lassen, da es als schlecht erzogen aussieht.
Sollten Sie nicht weiter essen wollen oder können, legen Sie
die Stäbchen oder Ihrer Hande auf den Teller bzw. auf die Schüsel
bei eventuellem Nachlegen, um zu zeigen dass Sie nichts mehr haben
wollen. Versuchen Sie, die Gerichte aufzuessen, falls Sie sie mögen
und können. Vor allem in den urbanen Gebieten geht die Tendenz
hierbei allerdings in Richtung westlicher Gewohnheiten, mit Ausnahme
von Taiwan und Hong Kong.
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